Das Konzept
Männer-(Wohn-)Hilfe
e.V.
1.
Konzeptionelle Grundgedanken zum Angebot der Männerwohnhilfe
in der Bundesrepublik Deutschland haben sich in den letzten 20
Jahren in beziehungsorientierten zwischenmenschlichen Partnerschaften
spürbare Veränderungen abgezeichnet. Dieses bezieht sich
sowohl auf vielfältigere Formen des Zusammenlebens, gestiegene
Ansprüche an die Qualität sowie auch auf deren Kontinuität.
Ergebnisse dieser Entwicklung sind zunehmende Phänomene wie
Single-Dasein, Beziehungsauflösungen oder auch sog. Patchwork
- Familien. Die Formen des beziehungsorientierten Zusammenlebens
und die individuellen Lebensmodelle bzw. -erfordernisse müssen
sich den ökonomischen Erfordernissen anpassen.
die Ursachen dieser sozialen Dynamik sind ausgesprochen vielfältig
und sowohl im gesellschaftlichen Rahmen wie auch bei individuellen
Eigenschaften zu suchen. Ökonomisch wird heute eine vergleichsweise
sehr starke räumliche wie inhaltliche Mobilität von berufstätigen
Menschen, Partnern, Familien erwartet, flankiert durch enorme Medienvielfalt
und Wertewandel. Diese Dynamik führt zu erhöhten Anforderungen
und auch zu ständigen Einbrüchen sozialer Milieus, verbunden
mit der Notwendigkeit einer persönlichen Reorganisation. Individuelle
Faktoren für Beziehungskrisen sind in eingeschränkter
bzw. nachlassender Kommunikationsfähigkeit bzw. -bereitschaft
zu sehen, oder aber auch einfach in der Einsicht und der Möglichkeit,
anders weitermachen zu wollen.
Männer und Frauen befinden sich während Beziehungskrisen
unter starkem psychischen Druck. Schließlich befindet sich
gerade ihr Lebensmodell im Zusammenbruch bzw. in einer Phase der
Neubewertung. Ein Modell, welches mitunter über Jahre und Jahrzehnte
als emotionaler und inhaltlicher Rahmen für Handlungssicherheit
diente. Hinzu kommen existentielle Unsicherheiten, da Beziehungen
häufig auch materielle Gemeinschaftsunternehmungen sind.
viele Männer neigen in derartigen Lebensphasen zu destruktiven
Reaktionen, bis hin zu verzweifelten (auto-)aggressiven Verhaltensweisen
wie etwa Schlagen oder auch exzessivem Alkoholismus, um nur Spitzen
zu nennen. Gemeinsame Kinder werden im eigenen Interesse instrumentalisiert,
es kommt zu vielfältigen seelischen und körperlichen Verletzungen
der Partnerin / des Partners aus der Unfähigkeit, mit dem eigenen
Verletztsein umzugehen.
das
Angebot des gemeinnützigen Vereins Männer-(Wohn-)Hilfe
e.V. in Oldenburg soll hier präventiv ansetzen. Es richtet
sich an volljährige Männer in oben beschriebenen Lebenssituationen.
Der Verein stellt ihnen befristet Übergangswohnraum zu besonders
günstigen Konditionen unter bestimmten Voraussetzungen zur
Verfügung.
Diese Maßnahme soll in mehrfacher Hinsicht als Hilfestellung
dienen:
- In
der Phase großer Spannung soll einerseits die Möglichkeit
des Ausweichens gegeben sein, um somit Voraussetzungen für
eine konstruktive Auseinandersetzung zu schaffen.
- Andererseits
kann dieser Rückzugsraum dazu dienen, sich in Ruhe Gedanken
zu machen über eine Neubewertung des Bisherigen und Neuorientierung
für die Zukunft.
- Bei
Bedarf soll einem betroffenen Mann qualifizierte Beratung angeboten
werden, ermöglicht durch eine Kooperation mit entsprechenden
Dienstleistungsanbietern in Oldenburg.
der
Verein Männer-(Wohn-)Hilfe e.V. in Oldenburg besteht seit März
2000. Er steht allen interessierten Männern offen und ist eine
Projekt mit sozialpädagogischer Ausrichtung. Er ist in seiner
Idee und Aufgabenstellung bisher neu in der BRD. Insofern wird hier
sozialpolitisches Neuland betreten als eine angemessene Reaktion
auf die bereits beschriebene soziale Dynamik in dieser Gesellschaft.
2.
Zur Umsetzung
Die
Idee ist einfach: der Verein Männer-(Wohn-)Hilfe e.V. mietet
Wohnraum an und gibt diesen befristet zur Nutzung an betroffene
Männer weiter. Zwischen den betroffenen Männern und
dem Verein Männer-(Wohn-)Hilfe e.V. wird ein entsprechender
Nutzungsvertrag (kein Mietvertrag) abgeschlossen.
Gedacht ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt an eine Zusammenarbeit
mit einer Wohnungsbaugesellschaft in Oldenburg, jedoch ist auch
eine Anmietung günstigen privaten Wohnraums denkbar.
Die
Wohnung sollte in einer normalen Wohngegend relativ zentral gelegen
sein, um die athmosphärischen und infrastrukturellen Nachteile
des Verlassens des eigenen Zuhauses zumindest teilweise aufzufangen.
Gedacht ist an eine Wohnung mit relativ intaktem Umfeld, um den
Betroffenen nicht noch zusätzlich zu belasten.
Die
Wohnung bietet einem Mann mit Kindern bzw. zwei Männern ausreichend
Platz. Sie ist ansprechend möbliert, es besteht jedoch die
Möglichkeit, sie mit persönlichen Gegenständen zu
bestücken.
Die
Verweildauer ist auf max. drei Monate befristet, in dieser Zeit
sollte geklärt sein, wie es weitergeht für den betroffenen
Mann.
Derzeit
ist an einen Mietbeitrag von 60,-Euro pro angefangener Woche durch
einen Bewohner gedacht, bei zwei Bewohnern 35,-Euro pro Person.
Die Bewohner verpflichten sich zur Instandhaltung der Wohnung
und hinterlegen eine Kaution von 200,-Euro
Adressaten:
Die Wohnung versteht sich nicht als therapeutische Einrichtung,
d.h., der Betroffene muß in der Lage sein, seinen organisatorischen
Alltag selbst zu bewältigen. Er muß mindestens 25 Jahre
alt sein. Er darf nicht einschlägig bekannt bzw. vorbestraft
sein (evtl. Leumund bei Zweifel), es darf keine Suchtkrankheit
oder Suizid-Gefährdung vorliegen oder andere Einschränkungen,
die einer kontinuierlichen therapeutischen Begleitung bedürfen.
Der Mann hat seinen Lebensmittelpunkt in Oldenburg.
Für
die Wohnungsvermittlung wird ein entsprechender Kriterienkatalog
(Checkliste) entwickelt. Um in akuten Situationen erreichbar zu
sein, existiert ein Vereins-Handy mit veröffentlichter Anschluß-Nummer.
Zwei Vereinsmitglieder entscheiden dann gemeinsam über die
Vergabe des Wohnraumes.
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